Das Virus kann zum Wirus werden

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Quelle: BZ

Hallo, ich bin Wernfried Hübschmann.

Gerne möchte ich mit Ihnen einige Gedanken zur aktuellen Lage teilen, die jeden von uns in eine Situation stellt, auf die wir nicht wirklich vorbereitet sind.

Und ich möchte Ihnen auch Mut zusprechen. Der am 25. März veröffentlichte „Zuversichts-Index“ des Instituts für Demoskopie Allensbach liegt mir 24 Punkten so niedrig wie zuletzt 1950. Damals steckt die Welt in der Korea-Krise.

Vielleicht können meine Überlegungen Ihnen hilfreich sein und Zuversicht verbreiten!

Das Corona-Virus hat, so scheint es, unser Denken und Fühlen fest im Griff. Das bedeutet auch: Wir haben unser Leben nicht mehr im Griff! Das beunruhigt uns. Nur: Die Sorgen und Ängste liefern uns keine Lösungen. Sondern nur Hinweise darauf, was wir bisher für bedrohlich gehalten haben. Als Coach nenne ich das „erlernte Hilflosigkeit“.

  • Wollen wir das überhaupt: unser Leben „im Griff!“ haben?
  • Nicht jeder „Verzicht“ ist zugleich ein Verlust.
  • Was macht die aktuelle Krisensituation mit uns?
  • Was wollen, was können, was müssen wir tun?
  • Hat das kommunikative Intervallfasten nicht auch befreiende Aspekte?
  • Welche innere Haltung ist hilfreich, kreativ und konstruktiv?
  • Und welche Informationen und Gedanken ziehen uns „nach unten“ und blockieren Klarheit und Handlungsfähigkeit?

Zunächst fällt mir auf, dass die Bedrohung aus zwei Richtungen kommt:

  1. Als theoretisches Risiko im Sinne einer statistischen Wahrscheinlichkeit, infiziert zu sein oder zu werden.
  2. Als ganz praktische und ganz reale Gefahr in Gestalt eines stacheligen Kugelfischs, genannt Covid-19.

Die Schwierigkeit besteht darin:

Beides, das Risiko UND die Gefahr, sind völlig abstrakt, jedenfalls, solange wir gesund sind und uns gesund fühlen.

Das Risiko kommt uns entgegen als Zahlenwerk, als Statistik, die aus dem Kanzleramt kommen, vom Robert-Koch-Institut oder aus den social media. Kompliziert, unübersichtlich, für den Laien verwirrend.

Die Gefahr, also das Virus selbst, ist sehr konkret. Das Dumme ist nur: wir sehen das Virus nicht, es ist ein mikrobiologisches Phantom. Wir haben nur eine Vorstellung anhand der Fotos in den Zeitungen. Es ist ein wenig wie Schattenboxen. Umso wichtiger sind die Bilder in unserem Kopf – der immer noch unser eigener ist.

Wir sollten also der Gefahr ins Auge sehen und gleichzeitig den Alltag so organisieren und strukturieren, dass er uns Halt und Stabilität geben kann.

Es ist selbstverständlich, sich an die behördlichen Anweisungen und Hygienevorschriften zu halten. Interessant finde ich:

Die reale Distanz führt dazu, dass wir sehr genau spüren, wer uns wirklich nah und wichtig ist.

Wir können nicht verhindern, dass die Krähen über uns kreisen. Aber wir können verhindern, dass sie in unseren Haaren nisten, sagt ein arabisches Sprichwort.

Mir geht es darum, das psychische und mentale Immunsystem zu stärken. Die ICH-Kraft des Einzelnen, die Identität, das Selbst-Verständnis, besonders auch die spirituell-religiöse Ausrichtung, die unserem Tun einen Rahmen setzt und Sinn gibt.

Und ich neige nicht dazu, in höchst fragwürdige Verschwörungstheorien einzustimmen, die zahlreich im Netz kursieren und sich ihrerseits vermehren wie ein Virus.

Auch dagegen sollten wir uns immun machen!

Die entscheidende Frage ist für mich:

  • Was ist das für ein Ereignis?
  • Was für ein Zeichen ist da gesetzt?
  • Welche höhere Aufgabe stellt sich uns Menschen?
  • Welchen Fanfarenstoß dürfen wir nicht überhören?

Für mich bedeutet das:

Wir können und dürfen die Erde, die uns trägt und nährt, nicht weiter so misshandeln und ausbeuten wie bisher.

Die Erde atmet aktuell durch.

Wir sehen Schwärme von Fischen im Hafen vor Venedig.

Die Menschen in Peking schauen plötzlich in einen blauen Himmel.

Was ist wirklich wichtig im Leben? Worauf kommt es an?

Gegen welche göttlichen Gesetze haben wir verstoßen?

Und …

Der Stillstand des Soziallebens wirft jeden von uns auf sich selbst zurück. Für mich heißt das auch, über neue Formen von Gemeinsamkeit und Gemeinschaft nachzudenken. Da kann auch das Internet hilfreich sein.

Die Aufgabe, die ich mir stelle, als Vater, Coach, als Schriftsteller und soziales Wesen, ist: Dazu beizutragen, dass wir das Wort VIRUS anders schreiben lernen, nämlich so:

VIRUS              WIRUS

… also einen Aufruf für ein neues WIR, das alle Menschen und vor allem auch die göttliche Natur mit einschließt, deren Teil wir selbst wiederum sind.

Es geht um dieses WIR.

Es geht um neue Verantwortungs-Gemeinschaften.

Es geht um die Qualität unserer sozialen Beziehungen, die uns tragen, gerade auch in Zeiten der Krise!

Das ist für mich die Botschaft des Virus!

Transformieren wir also den VIRUS  zum

W I R

Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

Doch soviel ist klar: Wenn diese Krise vorbei ist,

wird nichts so sein wie zuvor.

Vieles wird anders sein, manches besser!

Der Dichter Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag wir am 20. März feiern konnten, sagt:

Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

Also: Bleiben Sie gesund!

WIR SEHEN / HÖREN / LESEN uns!

Ihr

Wernfried Hübschmann

Wernfried Hübschmann

Die Stille

Als wäre nachts ein Meter Schnee gefallen.
Die Stadt liegt stumm, verlassen fast von allen,
die leben, atmen und auf Zukunft hoffen,
die Türen zu – die Herzen bleiben offen.

1.März 2020

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